Wie jedes Jahr nahmen auch in diesem Jahr die PoWi-LKs der Q2 am 16. Juni an der Veranstaltung „Japan meets Frankfurt“ teil. Dabei erhielten wir interessante Einblicke in das japanische Bildungs- und Gesellschaftssystem sowie in die dortige Arbeitswelt.
Zu Beginn begrüßten Herr Antacido und Herr Maier unsere Gäste sowie die anwesende Schülerschaft. Zu Gast waren Herr Wachi, der Schulleiter der Japanischen Schule in Frankfurt, sein Stellvertreter Herr Oka sowie Frau Tanida, eine Mitarbeiterin des Unternehmens Kuraray.
Den ersten Vortrag hielt Herr Wachi auf Japanisch. Herr Oka übersetzte die Ausführungen anschließend ins Deutsche. Zunächst erhielten wir einen Überblick über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Deutschland und Japan. Dabei wurden unter anderem die Größe der beiden Länder, ihre Einwohnerzahlen und weitere grundlegende Daten miteinander verglichen. Besonders überraschend war für uns die Tatsache, dass deutlich mehr Japaner in Deutschland leben als Deutsche in Japan.
Anschließend erläuterte Herr Wachi den Aufbau des japanischen Schulsystems und die Einteilung der Schüler nach Altersstufen. Diese ähnelt grundsätzlich dem deutschen System. Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch die deutlich höhere Zahl an Ganztagsschulen in Japan. Auch die Bedeutung des Mittagessens im japanischen Schulalltag war für uns bemerkenswert. Überraschend war zudem der hohe Anteil der Hochschulabsolventen, der bei etwa 60 % der Bevölkerung liegt.
Die größten Unterschiede zwischen den beiden Bildungssystemen zeigen sich jedoch weniger im Aufbau der Schulen als in den Kompetenzen und Werten, die vermittelt werden sollen. Während an deutschen Schulen insbesondere Selbstständigkeit und kritisches Denken gefördert werden, stehen in Japan Disziplin, das Verhalten innerhalb von Gruppen und ein umfangreiches Faktenwissen stärker im Mittelpunkt.
Viele japanische Eltern investieren außerdem große Summen in die Bildung ihrer Kinder und versuchen, ihnen den Besuch einer Privatschule zu ermöglichen. Doch auch an staatlichen Schulen gelten strenge Regeln. Dazu gehört beispielsweise das Tragen einer Schuluniform. Auch das Färben der Haare ist häufig unerwünscht oder sogar verboten.
Zum Abschluss seines Vortrags stellte Herr Wachi die Japanische Schule in Frankfurt genauer vor. Anhand von Bildern und Informationen erhielten wir einen Eindruck vom Schulgebäude und dem gesamten Schulgelände. Dabei erfuhren wir auch, dass das Auditorium nicht nur für schulische Veranstaltungen genutzt wird, sondern ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Pflege kultureller Traditionen spielt. Mehrmals im Jahr finden dort japanische Feste und Feiern statt, durch die den Schülern die japanische Kultur nähergebracht wird.
In der anschließenden Fragerunde zeigte sich großes Interesse an den japanischen Privatschulen. Insbesondere die strengen Regeln und die hohe Bedeutung von Disziplin sorgten bei vielen von uns für Staunen.
Im zweiten Vortrag gab uns Frau Tanida einen Einblick in die japanische Arbeitswelt. Dabei knüpfte sie zunächst an das Thema Schule an und berichtete von ihren eigenen Erfahrungen. So seien Minijobs für Schüler in Japan häufig nicht erlaubt, während sie für Studierende an Universitäten deutlich üblicher seien.
Den Übergang von der Schule beziehungsweise Universität in das Berufsleben beschrieb Frau Tanida als stark durchgeplant und strukturiert. Von jungen Menschen werde erwartet, möglichst direkt nach dem Studium eine Arbeitsstelle anzutreten. Wer diesen Übergang nicht unmittelbar schafft, kann gesellschaftlich schnell kritisch betrachtet werden.
Auch die Beziehung zwischen Arbeitnehmern und Unternehmen unterscheidet sich deutlich von den Verhältnissen in Deutschland. Häufig bleibt ein Arbeitnehmer über viele Jahre oder sogar sein gesamtes Berufsleben bei demselben Unternehmen. Die Firma wird dabei teilweise wie eine zweite Familie betrachtet. Auch ein Wechsel innerhalb des Unternehmens und der Einsatz in unterschiedlichen Bereichen sind keine Seltenheit. Ein Wechsel zu einem anderen Unternehmen wird hingegen eher kritisch gesehen.
Besonders ungewöhnlich erschien uns die Regelung im Umgang mit Krankheit. Krankheitstage sind in Japan nicht in gleicher Weise vorgesehen wie in Deutschland. Wer aufgrund einer Erkrankung nicht zur Arbeit erscheinen kann, muss dafür teilweise Urlaubstage einsetzen. Gleichzeitig haben japanische Arbeitnehmer häufig weniger Urlaubstage als ihre deutschen Kollegen.
Auch die Hierarchien innerhalb japanischer Unternehmen sind sehr ausgeprägt. Dabei spielt der gesellschaftlich tief verankerte Respekt vor älteren Menschen eine wichtige Rolle. Höhere Positionen werden nicht nur durch fachliche Erfahrung, sondern häufig auch durch das Alter und die Dauer der Betriebszugehörigkeit erreicht.
Auch Frau Tanida stellte sich anschließend zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler. Das große Interesse zeigte, wie unterschiedlich die Arbeitswelt in Japan und Deutschland teilweise gestaltet ist.
Die Veranstaltung „Japan meets Frankfurt“ hat uns einen spannenden Einblick in Bereiche der japanischen Gesellschaft ermöglicht, die uns aus unserem Alltag kaum bekannt sind. Besonders die Unterschiede im Schulsystem, der hohe Stellenwert von Disziplin und Gemeinschaft sowie die besondere Arbeitskultur haben uns zum Nachdenken angeregt.
Wir bedanken uns herzlich bei unseren Gästen für ihr Engagement, ihre Zeit und die interessanten Einblicke in die japanische Gesellschaft.
Ein besonderer Dank gilt außerdem Frau Beierlein und Herrn Maier für die Organisation dieses besonderen Wissensaustauschs.
[Jan Christof Rohwold, Niklas Zeller Q3]
